.
Zum Aufbau der Sammlung

Ein sonderbares Geschehnis, ein auffälliger Sachverhalt knüpfen sich an die vom Volk überlieferte Geschichte - Sage genannt.

Mit fortschreitendem Entwicklungsstand, mit wachsendem Erkenntnisvermögen wandelte sich die stoffliche Grundlage der Sagen.

Nachdem zunächst mythologische Überlieferungen von Göttern und Helden im Zentrum solcher Geschichten standen, die ursprünglichen Beziehungen der Menschen zu Hexen, Kobolden, Elfen, Nixen und Riesen Phantasie und Erzählfreude bestimmten, kristallisierte sich das Sagengeschehen in der frühen Feudalgesellschaft um historisches Geschehen und bedeutende Herrscherpersönlichkeiten, breiteten sich schließlich im Zusammenhang mit der frühen bürgerlichen Entwicklung und dem Aufblühen der Städte Gebäude- und Haussagen aus.

Eine exakte Abgrenzung solcher Gruppen fällt schwer. Es nimmt nicht wunder, daß - abhängig von der Zeit der Herausgabe und der den Sagen zugeordneten Funktionen - recht unterschiedliche Gliederungsformen der Sagensammlung anzutreffen sind.

Die vorliegende Sammlung hat mit Bedacht mit Eulenspiegel und Dr. Faust nationale Volksgestalten ins Blickfeld gerückt. Sie schlagen die Brücke zu unserer Nationalkultur und sollen von vornherein unterstreichen, daß es der Sammlung nicht um den begrenzten Blickwinkel der Ortssage geht, daß sie vielmehr gesellschaftliche Vorgänge und Verhältnisse in ihrer Entwicklung transparent machen möchte.

Den Sagen um Figuren von nationaler Repräsentanz folgen die Geschichts- und die Haussagen. Die ausgewählten Domsagen sind diesem Teil in einem gesonderten Kapitel zugeführt.